HW2

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Macht euch laut, ihr Freidenker*innen, Freigeister, Freidreher*innen !

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Kreativ
22. Januar 2021

HW2: „Wir machen das jetzt“ – die Entstehung eines Kreativquartiers

Kreativquartiere sind schon lange mehr als exotische Spielwiesen für Künstler*innen und Kreative. Es sind Orte, die überall in ländlichen Regionen und urbanen Räumen einen besonderen Mehrwert schaffen können: als Anlaufpunkt für die Einwohner*innen, als Innovationsort für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung und für das, was wir für die Zukunftsentwicklung dringend brauchen: Platz für Experimente! In Göttingens Weststadt gibt es einen solchen Raum und das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes war eingeladen, den Standort bei der Ideenentwicklung zu unterstützen.

In Göttingens Weststadt befinden sich mehrere Quadratmeter große Freiflächen, zentral und doch im Grünen gelegen. Lagerhallen und ein Silo aus dem vorherigen Jahrhundert, alte Eisenbahnschienen, viel Raum zum Machen.

Zurzeit wird das Areal zwar sehr vielseitig genutzt: Handwerker haben dort ihre Lager- und Arbeitshallen, Geflüchtete nutzen ein Haus als Übergangsunterkunft und die musa e. V. bietet Räumlichkeiten für Kulturveranstaltungen und Begegnungen an. Trotzdem wirkt das Areal verlassen und ungenutzt. Schnell bekommt man aber ein Gefühl dafür, welches Potenzial in diesem Ort liegt und was durch eine entsprechende Quartierentwicklung daraus werden könnte: Ein neuer Begegnungs- und Erlebnisort für die Göttinger*innen, ein Innovationslabor für ansässige Handwerksbetriebe und Unternehmer*innen, ein Highlight für Göttingen, das seine Strahlkraft weit über die Stadt hinaus in die Region oder sogar ganz Deutschland entfaltet.

In Kooperation mit der musa e. V. führte das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes zwei Workshops durch, zu denen Akteur*innen und Expert*innen der Kultur- und Kreativwirtschaft aus ganz Deutschland zusammengekommen sind, um gemeinsam mit der städtischen Verwaltung, Göttinger Unternehmer*innen, Interessierten und mit Unterstützung des Landes Niedersachsens einen Plan zu schmieden. „Es ist toll zu sehen, wie wir mit den Workshops Menschen in Göttingen bereits aktivieren und aufwecken konnten“, freut sich Tine Tiedemann, Leiterin der musa e. V. und Initiatorin der Workshops, über das wachsende Interesse am Gelände in der Weststadt. „Unser Ort bietet viele Freiräume für eine neue Generation und generell Menschen, die anders denken.“

Visionär*innen unterwegs

Das Interesse an der Entwicklung der Fläche ist groß. Neben ortsansässigen Unternehmer*innen, sind auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler mit den zuständigen Kolleg*innen aus der Verwaltung, der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler und der Landtagsabgeordnete Stefan Wenzel vor Ort. Gemeinsam mit Akteur*innen der Kultur- und Kreativwirtschaft, die aus ganz Deutschland angereist sind, wollen sie erleben und beobachten, wie Quartierentwicklung funktionieren kann.

Und da tut sich einiges. Im Vordergrund der Ideen und Konzepte steht dabei stets die Frage nach dem Mehrwert für Göttingen: Als Lebensraum ebenso wie als Wirtschaftsstandort. „Wenn wir hier etwas schaffen, was es sonst nicht gibt, dann können wir unglaublich viel Aufmerksamkeit auf uns ziehen und Besucher*innen aus ganz Deutschland nach Göttingen holen“, fasst ein Workshop-Teilnehmer den Prozess zusammen.

Viele spannende Ideen sind im ersten Workshop entstanden. Die größte und umfassendste Idee ist dabei die Vision, ein Brücklyn zu schaffen: Die Erschließung des Areals als Lebens- und Arbeitsraum auf der Basis einer außergewöhnlichen Brücken-Architektur: „Das Areal ist wie eine Insel“, beschreibt der Architekt Jan Albrecht die Entwicklung der Idee: „Mit unserer Brückenwelt können wir das Areal nicht nur durch seine neue Nutzung besser ins Göttinger Stadtleben integrieren, sondern verbinden das Gelände auch physisch mit der Stadt.“

Weitere Ideen sind ein Handwerks-Campus, ein internationales Musikfestival, integrierte Nähwerkstätten für Frauen mit Migrationshintergrund oder der Umbau des Silos zu einer deutschlandweit einzigartigen Kletterhalle.

Über 16 Ideen sind im ersten Workshop entwickelt worden. Im zweiten Teil wurden sie im Rahmen von vier Präsentationen und einer örtlichen Begehung vorgestellt und auf den Prüfstand gestellt. „Wir haben den zweiten Workshop in drei Arbeitsschritte aufgeteilt“, erklärt Christoph Backes, Leiter des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, das Vorgehen: „Träumen, Kritik üben und realistisch werden. D. h. zuerst darf jede*r seine Visionen teilen, damit diese nachher in einer einstündigen Session nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen und kritisiert werden kann. Am Ende können wir sehen, welche Ideen sich durchsetzen.“

Die Kritikphase ist sicherlich einer der schwierigsten Momente im Prozess, denn in der Kritikphase darf nicht Stellung bezogen oder Erklärungen geliefert werden: „Das ist doch alles zu klein gedacht“, „Wie soll denn das finanziert werden“, „Wer profitiert denn am Ende davon“. Viele Kritikpunkte klingen wie klassische Todschlagargumente, aber machen auch darauf aufmerksam, woran viele gute Projektideen oftmals scheitern.

Trotzdem gibt es Projektideen, die im Kopf bleiben und eine große Zahl an Göttinger*innen – inklusive dem Bürgermeister, der die Ideenentwicklung und Zusammenarbeit begrüßte – die dranbleiben wollen. „Am Ende geht es darum, dass ihr euch jetzt zusammenschließt und den ersten Schritt geht“, ermutigt Benjamin Grudzinski von den Raumentwickler*innen von endboss aus Hannover aus seiner eigenen Erfahrung. „Selbst, wenn die erste Umsetzung noch weit entfernt ist von der Vision, die ihr im Kopf habt, heißt das noch nicht, dass die Vision am Ende nicht Realität werden kann.“

Jetzt ist es an den Göttinger*innen, das Potenzial des Ortes und ihrer Ideen zu realisieren. Tine Tiedemann ist auf jeden Fall sehr zufrieden mit diesem ersten Zwischenergebnis: „Ich würde sagen, wir machen das jetzt einfach“, erklärt sie am Ende der Workshops optimistisch.

HW2 stand November 2019

Wir möchten mit verschiedenen Menschen aus Göttingen, mit Kreativwirtschaftler*innen, dem SNIC, der Sportuni, Künstler*innen, Firmen, Spielentwickler*innen, Handwerkern, regionalen Naturkostherstellern, Menschen aus dem Stadtteil, der Feuerwehr, der Politik, mit Jugendlichen, mit  Migrant*innen, mit Unternehmern und StartUps, mit Architekten und Gartenbauern, mit Sterneköchinnen und Geflüchteten das „Viertel hinter dem Bahnhof“, genau genommen „hinter der musa“ beleben und entwickeln.

Im Hintergrund wird seit Monaten gearbeitet, entdeckt, Menschen laufen über das Gelände, Gespräche finden statt, Ideen werden gesponnen/modifiziert, Kreativität ist geweckt, Schlafende geweckt, Wohnbrücken gezeichnet, einiges ist kurz vor der Umsetzung, es macht einfach Spaß. Wir können hier was ganz Besonderes für Göttingen schaffen…und über die Stadtgrenze hinaus. 

Wir nennen das „nebenstehende“ Quartier „HW2“, treffen uns mit mehr als 40-50 Menschen jeden ersten Freitag im Monat, um uns auszutauschen und weiterzukommen. Der größte Teil derer, die sich hier ansiedeln möchten sind Studies, die Göttingen „eigentlich“ nicht verlassen wollen, aber auf der Suche nach einer Perspektive sind, Handwerker*innen, Schrauber, aber auch Architekten, Künstler*innen, Kulturschaffende und Gründer*innen mit und noch ohne Businessplan.

Ziel ist es, einem Stadtteil Leben einzuhauchen, indem Freiräume für Neues, für Freies und für neue Lebensentwürfe gestaltet werden soll. Wir möchten „Brücken“ bauen, auch im wahrsten Sinne des Wortes. Wir möchten den neuen gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen, Platz machen für Kreative, für Kreativwirtschaftler*innen, für Neues und dies mit denen verknüpfen, die in der Weststadt Göttingens zu Hause sind. Die Möglichkeit, gerade in diesem Stadtteil - geprägt von Armut, von geringer Lebensqualität, großer Heterogenität der Bevölkerung und einem hohen Migrantenanteil - das Leben lebenswerter zu gestalten, finden wir bereichernd.

hw2.city…ein Klick lohnt sich.

Schnipsel


FAQs ab 1.10.2021
Kommt weiter mit dem Rad oder Skateboard, Roller oder zu Fuß!

Jetzt ist die Bühne zwar weg, aber wir haben trotzdem keinen Platz für Autos.

2021 keine Privatfeiern

Corona, Delta-Variante, neue Verordnungen vielleicht nach den Sommerferien?

Da wir alle nicht wissen, was kommt, stehen unsere Räume in diesem Jahr für Privatfeiern nicht zur Verfügung.

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